Die Ursprünge der Soka Gakkai International (SGI) und die Entwicklung ihrer Aktivitäten
Öffnung und Internationalisierung
Nach seinem Tod übernahm Daisaku Ikeda, Todas engster Schüler, die Leitung der Organisation. Er wurde am 3. Mai 1960 im Alter von 32 Jahren zum dritten Präsidenten ernannt. Ikeda trat 1979 als Präsident der Soka Gakkai in Japan zurück und wurde zum Ehrenpräsidenten.
Die Soka Gakkai International (SGI) wurde am 26. Januar 1975 auf der Insel Guam als Dachverband aller nationalen Glaubensgemeinschaften der Soka Gakkai in der Welt gegründet. Ikeda wurde zum ersten Präsidenten ernannt und lehrt den Geist und die Ausübung des Buddhismus Nichirens in modernen Begriffen weltweit.
Zwei beachtenswerte Trends haben die Ära von Ikedas Präsidentschaft bis heute gekennzeichnet. Der erste ist das kontinuierliche Wachstum der Organisation. Heute zählt die SGI ungefähr 12 Millionen Mitglieder, davon fast 1.7 Millionen in 190 Ländern ausserhalb Japans. Nur wenige Monate nach seiner Ernennung zum dritten Präsidenten der Soka Gakkai im Jahre 1960, begann Ikeda ins Ausland (USA, Kanada und Brasilien) zu reisen. Bis heute hat er in seinem Streben nach Frieden über 50 Länder besucht. Dies war etwas, das Toda nie imstande war zu tun.
Die erste offizielle Organisation ausserhalb Japans entstand 1963 in den USA und wurde als gemeinnützige Institution offiziell registriert. Danach wurden kontinuierlich in weiteren Ländern autonome Organisationen gegründet, die eine Struktur aufweisen, die den Bedürfnissen der jeweiligen Kultur des Landes entsprechen. Diese nationalen Organisationen sind der SGI mit Sitz in Tokio, Japan angeschlossen. In Europa wurde 1981 das Europäische Institut der SGI als kulturelle Gesellschaft gemäss französischem Recht gegründet.
Der zweite bemerkenswerte Trend unter Ikedas Führung ist die "Öffnung" der Organisation - die Entwicklung einer weltweiten Zusammenarbeit mit Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Kunst und Organisationen im Bereich globaler Interessen. Ikeda hat rund um den Erdball an führenden Institutionen und Universitäten Vorträge gehalten, unter anderem an der Harvard Universität und am Institut de France. Diese Zusammenarbeit deckt drei weite, sich überschneidende Kategorien ab: Friede, Kultur und Erziehung.
Friedensaktivitäten der SGI als eine Nichtregierungsorganisation (NGO) beinhalten die aktive Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen (UNO), Ikedas jährliche Friedensvorschläge (seit 1983) an die UNO, Friedensbildungsprogramme und Friedensinitiativen, interreligiöse Dialoge, Beschaffung von Geldmitteln zur Unterstützung von UNO Flüchtlingshilfeaktionen, humanitäre Einsätze, Anti-Kriegs und –Nuklearwaffen Ausstellungen, Anträge und Publikationen, die üblich durch gleich gesinnte Organisationen mitgesponsert werden. Im Speziellen haben Ikeda und die SGI in den 1970er Jahren zur Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen China und Japan beigetragen, die seit dem 2. Weltkrieg unterbrochen waren. Für diese Aktivitäten wurde 1983 Ikeda der Friedenspreis der Vereinten Nationen verliehen.
Basierend auf Todas offizieller Deklaration über die Verbannung von Atom- und Wasserstoffbomben im Jahre 1957 setzte die SGI mehrere Aktivitäten in die Tat um. Hier ein paar wenige Beispiele:
- Im Jahre 1975 sammelte die Organisation über 10 Millionen Unterschriften zur Abschaffung von Atomwaffen, die dem damaligen UNO-Generalsekretär Kurt Waldheim übergeben wurden
- Im Jahre 1978 legte Ikeda an der ersten ausserordentlichen Sitzung der UNO-Generalversammlung für Abrüstung ein 10-Punkte-Vorschlag zur nuklearen Abrüstung vor
- Im Jahre 1982 wurde die Ausstellung „Nuclear Arms: Threat to Our World" ins Leben gerufen, die bis heute in mehreren UNO Hauptquartieren und 25 Ländern gastierte
- Von 1981 bis 1991 wurden Tausende von Erfahrungen von Frauen gesammelt, die die Grausamkeit des Krieges erlebt und ihr Schicksal geprägt haben, und in 20 Bänden mit dem Titel „With Hopes for Peace – Women Against War“ publiziert
- Im Jahre 1998 sammelte die SGI über 13 Millionen Unterschriften um die
„Abolition 2000“-Kampagne zu unterstützen, die sich für die Abschaffung von Nuklearwaffen einsetzt
Die SGI hat mehrere Institutionen gegründet, die in den Bereichen Friedensforschung und -aktivitäten sowie interkulturellem Dialog arbeiten. Diese umfassen das
- Boston Research Center for the 21st Century (gegründet 1993), das die Führungsrolle der Frauen für den Frieden und die lokale und globale Gemeinschaftsbildung fördert und die Erziehung eines Weltbürgertums unterstützt
- Institute of Oriental Philosophy (gegründet 1962), das weltweit mit Forschern an Universitäten zusammenarbeitet um Wege zu finden, wie östliche und insbesondere buddhistische, philosophische Ansätze auf zeitgenössische Probleme angewendet werden können
- Toda Institute for Global Peace and Policy Research (gegründet 1996), das Friedensinitiativen auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene fördert, indem es konkrete Programme in den Bereichen Sicherheit für Menschen, soziale Gerechtigkeit und Weltbürgerschaft unterstützt und vorschlägt
Im Bereich der Kultur sponsert die SGI sowohl internationale Freundschaftsaustauschprogramme als auch Weltfrieden- und Kulturfestivals. In Japan fördert die Soka Gakkai regelmässig unter der Schirmherrschaft der Min-On Concert Association (gegründet 1963) Aufführungstourneen von Künstlern der ganzen Welt. Das Tokyo Fuji Art Museum (gegründet 1983) übernimmt eine ähnliche Funktion in der Welt der Kunst. Werke und Ausstellungen dieses Museums waren bis heute in über 20 Ländern zu sehen. In Frankreich umfasst das Victor Hugo House of Literature (gegründet 1991) eine Sammlung von ungefähr 1'900 Gegenständen, die im Bezug zum Leben und zur Arbeit von Victor Hugo stehen, einschliesslich mehrerer Gegenstände, die als nationale Schätze bezeichnet worden sind.
Auf dem Gebiet der Erziehung entstanden eine ganze Reihe von Institutionen. Die pädagogischen Gedanken Makiguchis, die in den 1920er Jahren entwickelt wurden, florieren heute in Japan im Soka-Schulsystem, das sich von Kindergärten bis zu Universitäten erstreckt. Die Soka Universität in Japan (gegründet 1971) hält gegenwärtig einen akademischen Austausch mit weltweit über 100 Partneruniversitäten. Soka-Kindergärten gibt es ausser in Japan auch in Hongkong, Singapur, Brasilien, Malaysia und Südkorea. Die Soka Universität in Amerika (SUA) (gegründet 1987) ist eine unabhängige Hochschule in Kalifornien, die aus einem Campus in Calabasas und einem in Aliso Viejo besteht. Im ersten wird ein Masterstudium in Fremdsprache, im zweiten ein Bachelor in Geisteswissenschaften mit Schwerpunkt Humanität, Weltstudien und Sozial- und Verhaltenwissenschaften angeboten.
Die Aktivitäten der SGI auf dem Gebiet der Erziehung konzentrieren sich auf Themen globaler Bedeutung wie Ökologie und Nachhaltigkeit. Ihre Bemühungen konkretisieren sich z.B. in internationalen Ausstellungen, Diskussionsforen, Seminaren und interkulturellen Austauschprogrammen.
Dank den konstanten und konkreten Bemühungen der SGI Mitglieder und Organisationen auf der ganzen Welt, wurden Ikeda als ihr Repräsentant zahlreiche Auszeichnungen verliehen.




