Die Ursprünge der Soka Gakkai International (SGI) und die Entwicklung ihrer Aktivitäten
Die Trennung zwischen der Soka Gakkai International (SGI) und Nichiren Shoshu
Wie in anderen Religionen mit starken Laienorganisationen, existierten zwischen der Nichiren Shoshu Priesterschaft und der Soka Gakkai International (SGI) Konflikte und Spannungen. Ein wichtiger Vorfall ereignete sich im Jahre 1991: Der Hohe Priester der Nichiren Shoshu exkommunizierte die gesamte Laienorganisation der SGI und verbot somit allen Mitgliedern der SGI die Teilnahme an religiösen Aktivitäten. Die Priesterschaft weigerte sich auch, den neuen Mitgliedern der SGI den Gohonzon zu verleihen, der in der Ausübung des Buddhismus Nichirens von zentraler Bedeutung ist.
Obwohl die Gründe dieser Trennung komplex sind und die Zusammenhänge sowohl in der japanischen Geschichte als auch in den Traditionen innerhalb der Nichiren Shoshu Schule zu suchen sind, rührt der Konflikt ursprünglich vom Anspruch der Priesterschaft her, dass sich die Laienorganisation der absoluten Autorität des Hohen Priesters und der Überlegenheit der Priesterschaft als Interpretin der Lehren Nichiren fügen muss. Die SGI nahm den Standpunkt ein, dass die Priesterschaft die Beziehung mit dem grundlegenden Geist der Gleichheit der Lehren Nichirens verloren hat. Dies – so die SGI - hat dazu geführt, dass man von Nichirens Anordnung abgewichen ist, für das Glück aller Menschen zu arbeiten. Stattdessen haben sie eine Inseldoktrin der priesterlichen Erbschaft entwickelt, die die Autorität und die Kontrolle der Priesterschaft über die Aktivitäten und die Ausübung aller Laiengläubigen sicherstellen will.
In seinem Buch "A Time to Chant", der die Entwicklung der SGI in Grossbritannien beschreibt, gibt der Soziologe Bryan Wilson diesen kurzen Kommentar zur Situation:
Die Priesterschaft war eine konservative Gruppe, klein, abgesondert, und mit einer Sichtweise, die knapp umschrieben mit der einer über die Jahrhunderte andauernden japanischen Isolierung von der Aussenwelt umschrieben werden kann. Soka Gakkai International war eine aufblühende Bewegung, die an die modernen Umstände angepasst war, von Anfang an eine Richtlinie des expansivem Wachstums verfolgte und schnell eine internationale Kundschaft und Orientierung erwarb. Die Priesterschaft war charakteristisch autoritär, statusbewusst und hierarchisch; die Laienorganisation war populär, egalitär und nicht willig, eine Art Statusunterschied zu gewähren, der in der Vorstellung der Priesterschaft endemisch war.
Die SGI behauptet, dass Nichiren keinen Unterschied zwischen Priestern und Laien in Bezug auf Fähigkeit und Glaube machte. Seine grundsätzliche Absicht war, alle Menschen zu ermutigen, die aufrichtig seinen Lehren folgten.
Durch diese unterschiedliche Auffassung scheint nun ein dauerhafter Bruch zwischen der SGI und der Nichiren Shoshu Priesterschaft zu bestehen - beide funktionieren als völlig unabhängige Körperschaften. Mit dieser Realität konfrontiert, begann die SGI seit Ende 1993 selbständig ihren Mitgliedern den Gohonzon zu verleihen. Die Nichiren Shoshu beharrt darauf, dass die SGI kein Recht hat, den Nichiren Buddhismus zu verbreiten, interpretieren oder die Mittel dem Einzelnen bereitzustellen, um seine buddhistische Praxis auszuüben. Die SGI hingegen fährt mit ihren weltweiten Bemühungen fort, Menschen über diese Ausübung zu informieren und den gegenseitigen Respekt und das Verständnis zwischen den Individuen und den Gemeinschaften zu fördern.




