Buddhismus – eine Einführung
Jener Mensch, auf dessen Lehren alle Strömungen des Buddhismus zurückgehen, lebte rund 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung im heutigen Indien. Er ist unter dem Namen Gautama Siddharta oder auch Shakyamuni (“der aus der Familie der Shakyas”) bekannt. Bereits in jungen Jahren sah sich Shakyamuni mit den vier Grundleiden der Menschen konfrontiert: Geburt, Alter, Krankheit und Tod. Geboren als reicher Königssohn, verliess er den Palast und begab sich auf die Suche nach der Ursache für das Leiden der Menschen. Shakyamuni widmete sich zunächst verschiedenen religiösen, meditativen und asketischen Ausübungen, bis er schliesslich alle extremen Praktiken verwarf und die Wahrheit im “Weg der Mitte” erkannte. Seine tiefe Einsicht in die Grundprinzipien des Lebens wird als Erleuchtung bezeichnet. Buddha heisst nichts anderes als “der Erleuchtete”. Der Buddha ist nicht der “Gott” der Buddhisten, sondern eher ein Lehrer, der aus tiefer Einsicht und Weisheit den Weg zur Erleuchtung kennt und lehrt. Buddhazustand oder Erleuchtung bezeichnet einen Lebenszustand, der geprägt ist von Weisheit, Lebenskraft, Mitgefühl und Mut.
In den über 2000 Jahren seiner Geschichte hat der Buddhismus die verschiedensten Wandlungen durchlaufen, er durchquerte Länder und Kontinente, Schulen und Lehrrichtungen entstanden und lösten sich auf, in Indien selbst ging der Buddhismus als Volksreligion unter. Wie jede grosse Weltreligion besteht auch der Buddhismus aus einer Vielzahl Schulen, die sich zum Teil erheblich voneinander unterscheiden. Die zwei grossen Richtungen des Buddhismus werden als “Theravada” und “Mahayana” bezeichnet.
Der Theravada-Buddhismus fasste vorwiegend in Südasien Fuss, der Mahayana-Buddhismus breitete sich dagegen in nördlicher gelegenen Ländern wie China und Japan aus. Im Theravada-Buddhismus wird das Aufgehen im Nirwana betont - es ist das Ziel einer meist sehr strengen, über viele Leben dauernden Ausübung. Erst wenn alle Wünsche, Bedürfnisse und jeglicher “Lebensdurst” erloschen sind, kann ein Mensch aus dem Kreislauf der Wiedergeburten ausbrechen, das Nirwana erreichen und sich damit für immer von seinen Leiden erlösen.
Der Mahayana-Buddhismus dagegen stellt das Ideal des “Bodhisattvas” in den Mittelpunkt. Ein Bodhisattva wendet sich voller Barmherzigkeit und Mitgefühl anderen Lebewesen zu, um mit ihnen gemeinsam die Erleuchtung zu erlangen - in der jeweiligen Lebensspanne, die ihm bewusst zur Verfügung steht. Erleuchtung bedeutet in vielen Mahayana-Schulen also nicht das Ausbrechen aus dem Leben, sondern im Gegenteil das Eintauchen in die Tiefe und Weisheit des eigenen Lebens und die allem Leben innewohnende Buddhanatur.




